Achte Woche

In langsamer Fahrt Richtung Süden, treffen wir zum ersten Mal auf ein Schweizer Paar mit zwei Kindern. Sie sitzen mit ihrem Charterboot am Ufer der Saône fest, nach dem über Nacht der Wasserspiegel der Saone um wenige Zentimeter gefallen war.Saone Der Versuch sie mit unserem Schiff abzuschleppen schlägt fehl. Erst mit Gewichtsverlagerung auf ihrem Boot und viel körperlichem Einsatz gelingt es uns das Charterboot frei zu bekommen. In Seurre treffen wir die Schweizer zufällig im Café wieder. In St.-Jean de Losne tanken wir, wie bei jeder Gelegenheit, obwohl wir die Reichweite unseres Schiffes nie ausgenutzt haben. St.-Jean de Losne ist der Dreh- und Angelpunkt aller Frankreichfahrer, doch dazu später mehr.

Chalon-sur-SaoneÜber Verdun sur le Doubs geht es weiter nach Chalon sur Saône, wir wollen in den Canal du Centre. Die Einfahrt in den Canal du Centre ist wenig vielversprechend, doch schon nach wenigen Kilometern, nachdem das Industriegebiet von Chalon hinter uns liegt, wandelt sich das Bild. Das Wasser des Kanals wird sauber, die Landschaft zusehends schöner. Wir übernachten vor der Schleuse Nr. 31. Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg nach Chagny.

Durch eine lange, gerade, von Bäumen umsäumte, Kanalstrecke gelangen wir in das Hafenbecken von Chagny. Zwei, drei Penischen und ein paar Charterboote liegen in dem netten Hafen, nur wenige Minuten von der Innenstadt von Chagny entfernt. Wieder erledigen wir die nötigen Einkäufe, immer verbunden mit einem Café-Besuch, waschen Wäsche, checken unser Boot, lesen, oder bummeln durch den gemütlichen kleinen Fleck. Am nächsten Tag gehen unsere Schweizer längsseits, der Hafen ist voll. Als wir später zurück kommen haben sie Ihr Boot verholt.

Mittwoch Morgen legen wir ab Richtung Montchain, dem Scheitelpunkt des Canal du Centre. Als wir den Hafen verlassen, ist auf dem Boot der Schweizer noch kein Leben zu entdecken. Der Kanal windet sich lange schleusenfrei am Hang oberhalb des Tales entlang.Schweizern Es ergeben sich immer wieder herrliche Ausblicke auf Felder und Weinberge. Ein wirklich bezaubernder Streckenabschnitt. Wir legen an um uns mit frischem Baguette zu versorgen. Wir haben noch nicht richtig festgemacht, legen auch schon die Schweizer hinter uns an. Sie bitten uns den Weg nach Digoin zusammen zu fahren und erzählen uns haarsträubende Erlebnisse, die sie in den letzten Tagen hatten. Wie das im Einzelnen genau ablief können sie uns nicht sagen. Auf der Saône wurden sie beim Schleusen zweimal von einem Frachter gerammt. Auf dem Canal du Centre saßen sie eingeklemmt in den automatischen Schleusentoren fest, um nur die Spektakulärsten zu nennen.

Bei der nächsten gemeinsamen Schleusung wird mir schnell klar wie das alles hatte passieren können. Es gibt Menschen denen fehlt das Verständnis, das Gefühl und nicht zu letzt auch die Erfahrung fürs Bootsfahren. Bei einer Schleusung fällt die Frau vom Aufbaudach, zum Glück nicht in die Schleusenkammer, sie kommt mit ein paar Blessuren davon. In einer Kanalbiegung kommt uns ein etwas größeres Schiff entgegen, der Schweizer weicht ohne Not so weit aus, daß er auf Grund läuft und abrupt stehen bleibt. Zum Glück halte ich immer genügend Abstand. Trotz dieser Mißgeschicke verbringen wir unterhaltsame Tage mit sehr lieben Menschen. Wir führen lange Gespräche, die nicht an der Oberfläche bleiben. Viola und ich haben das nicht unbedingt vermißt, sind aber nach Wochen ohne intensiven Kontakt zu Personen, sehr dankbar für diese Abwechslung. Ein wenig können wir auch von unserer bis dahin gewonnenen Bootserfahrung weiter geben. Bald gelingt es den Schweizern eine Schleuse nach der anderen zu passieren ohne anzuecken. In Digoin trennen sich leider unsere Wege. Sie sind am Ende ihrer Reise angekommen.

Schweizern-DecizeWir überqueren die Loire. Immer wieder ein besonderes Gefühl, hoch oben mit dem Schiff in einer Kanalbrücke. Ohne größere Höhepunkte geht es weiter im Loiretal Richtung Decize. Vielleicht liegt es am Regen, oder daran, daß von der Loire vom Kanal aus meistens nichts zu sehen ist, oder an den vielen geraden Abschnitten, wir können der Strecke nichts abgewinnen. Obwohl Decize durchaus sehenswert ist, beschließen wir nach kurzer Stadtbesichtigung weiter zu fahren. Nicht zu Letzt des Summens wegen, das vom nahen Wasserkraftwerk kommt. Wir verbringen einen Ruhetag im Arontal in der Nähe von Champvert, es gießt wieder einmal in Strömen. Noch wissen wir nicht, daß hier einer der schönsten Abschnitte unserer Reise beginnt.


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