Dreizehnte Woche

Vor unsere Abfahrt aus Dijon erkundigt sich eine englische Familie über die Kanalstrecke aufwärts.Merz Wir raten ihnen nicht zu spät abzulegen, um die Stelle, an der sich Kanal und stark befahrene Einfallstraße nach Dijon trennen, zu erreichen. Danach erklären wir ihnen, ist die Strecke landschaftlich sehr schön. Unsere Ausführungen müssen sie so beeindruckt haben, daß sie zu unserem Erstaunen, den Weg zurück nach St. Jean de Losne wählen.

Wir wollen den Abschnitt Dijon - St. Jean de Losne in einen durch fahren. Auf der Karte macht sie keinen besonders reizvollen Eindruck. Wie mit dem Lineal gezogen führt der Kanal am Flughafen vorbei, die Start- und Landebahn endet direkt am Kanal. Für etwas Abwechslung sorgt die englische Crew mit ihrem Charterboot. Von den sechs bis acht Männern und Frauen an Bord fühlt sich jeder für nichts zuständig. Das Boot schrammt und rammt bei Schleusungen alles was sich ihm in den Weg stellt, Schleusentor, Schleusenwände, unser Schiff wird auch nicht geschont. Stahlschiff gegen GFK - Boot, wir lassen uns den Urlaub nicht mehr vermiesen. Dennoch sind wir nicht beleidigt, als sie in der Nähe des Flughafens eine Pause einlegen.

Die Eintönigkeit dieser Strecke wird nur durch kurze Gespräche mit den Schleusenwörtern unterbrochen, bis uns überraschend ein großer unförmiger Gleiter, er wirkt völlig deplaziert im Kanal, überholt. Bedingt durch den geraden Streckenverlauf, sieht der Schleusenwärter uns sehr lange bevor wir die nächste Schleuse erreichen. Er wartet auf uns. Die beiden jungen Männer auf dem Gleiter stehen sichtbar unter Druck. Wir kommen nicht ins Gespräch, zu sehr sind sie damit beschäftigt für eine schnelle Schleusung zu sorgen. Das selbe Spiel wiederholt sich noch mehrmals bis zu letzten Schleuse in die Saone. Erst hier in St. Jean de Losne löst sich die Anspannung der beiden Männer. Bei der Überführung des 900 PS starken Gleiters von Norwegen nach Spanien wurden sie in der Biskaya von schlechtem Wetter überrascht. Durch ihren Entschluß die Überführung durch Frankreichs Kanäle fort zu setzen, fahren sie ihrem Zeitplan um mehrere Tage hinterher. Sie sind froh die Saône erreicht zu haben und die Nacht durchfahren zu können, für uns ein schrecklicher Gedanke.

Den freundlichen und lustigen Schleusenwärter in St. Jean de Losne würde man eher auf einer venezianischen Gondel, als hier im kleinen tristen Hafen erwarten. Sucht man Ersatzteile, Auskünfte oder Hilfe jeglicher Art in dieser Region der französischen Wasserwege, ist man in St. Jean de Losne genau richtig. Sogar die Filtereinsätze für unseren betagten Peugeot-Diesel bekommen wir hier in einer kleinen Autowerkstatt. Der Chef persönlich ist sich nicht zu gut, auf einer Leiter balancierend ein Duzend Kartons um zu stapeln um die lange gesuchten Ölfilter frei zu legen. Die Staubschicht auf den Verpackungen läßt darauf schließen, daß sie hier schon einige Jahrzehnte auf uns gewartet haben.

Immer wieder haben wir uns mit dem Thema Route der Heimreise beschäftigt. Wir können uns nicht für einen bestimmten Weg entscheiden. Zu dieser Zeit sollte der Doubs noch zur Großschiffahrts-Straße ausgebaut werden. Das gab letztendlich den Ausschlag uns für den Doubs, für den Canal du Rhone au Rhin zu entscheiden.


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