Elfte und zwölfte Woche

Der Gedanke das Yonne-Tal mit dem Saône-Tal zu verbinden ist uralt, aber erst 1832 vollendeten die Franzosen den Canal de Bourgogne.Canal-de-Bourgogne Dieser einst so wichtige Wasserweg führt entlang an einer Unzahl von historisch bedeutenden Orten. Einhundertneunundachzig Schleusen auf zweihundertzweiundvierzig Kilometer lauten die nackten Zahlen dessen was uns bevorsteht. Zunächst sind die Stauhaltungen im unteren Armancon-Tal noch lang und man fährt, bei einer zulässigen Geschwindigkeit von sechs Kilometer pro Stunde, bis zu einer Stunde zwischen den einzelnen Schleusen. Kirchen und Schlösser reihen sich aneinander, des weiteren die Abtei von Fontenay, die Schmiede von Buffon, das Automuseum in Ancy le Franc, ja selbst den superschnellen Trains de Grande Vitesse TGV kann man vom Kanal aus beobachten. Für Abwechslung ist also gesorgt. Dazu kommt noch das gute Essen und nicht zuletzt der Wein der Region. Man braucht entweder sehr viel Zeit oder man muß sich Schwerpunkte setzen. In Saint Florentin gibt es wieder einmal das Erlebnis eines Aquädukten.

TonnerreIn Tonnerre setzt eine Schleusenwärterin unser Boot auf Grund. Sie läßt aus der Stauhaltung das Wasser ab, damit eine Hotelpenische eine niedere Brücke passieren kann. Ich bin mir nicht sicher wieviel Druck so ein Ruder aushält und bekomme Angst um unser schönes Schiff. Unbeschadet setzen wir unsere Fahrt fort, Richtung Montbard. So langsam werden die Abstände zwischen den Schleusen immer kürzer bis nach Venarey les Laumes die Schleusentreppen von Pouillenay, Chassey und Marigny folgen.

Zwischen Schleuse Nr.16 und Schleuse Nr.15 ist der Kanal undicht.Canal-de-Bourgogne Der Wasserstand ist so gesunken, daß wir nur mit Mühe an einem holländischen Plattbodenschiff vorbei kommen. Kein Einzelfall in Frankreichs Kanälen. Wir hören von Charterboot Crews die drei Tage aus dem selben Grund festsaßen. Für uns wäre das nicht weiter schlimm, aber bei einer Woche chartern fehlen die Tage wirklich.

Nach einer Kaffeepause holen uns zwei ältere Herren mit ihrem Boot ein. Sie sind entweder auf der Flucht, wofür sich ein Boot in den Kanälen wenig eignet, oder sie sind Teilnehmer eines uns unbekannten Rennens. Wir lassen sie bei der nächsten Schleuse ziehen, wir haben Zeit. Ab und an während der ganzen Fahrt, ziehe ich die Badehose an um Gras oder unangenehme Brombeerranken aus der Schraube zu holen. Meistens können wir durch Auskuppeln beim Überfahren einer solchen Grünzeuginsel verhindern, daß sich etwas in der Schraube festsetzt.

Vandenesse-ChateauneufDie letzten Schleusen zur Scheitelhaltung fallen uns leicht, weil wir wissen, die sechsundsiebzig Schleusen abwärts sind leichter zu bewältigen. Der Hafen von Pouilly en Auxois hat schon bessere Zeiten gesehen. Nur wenige Charterboote verirren sich hier her, entsprechend wenig wird in den Hafen investiert. Dafür gibt es hier eine Kuriosität. Ein Holländer, wer sonst, schippert mit einem kleinem Boot mit Außenborder, Touristen von einem Ende des Tunnels zu Anderen. Die fast ein Kilometer lange Einfahrt in den Tunnel ist wunderschön. Die Wände des über drei Kilometer langen Tunnels sind trocken und hell. Er ist ohne Anstrengung zu durchfahren.

Die ersten acht Schleusen Richtung Dijon sind selbst zu bedienen. Wir schließen uns einem Paar aus Paris mit drei Jugendlichen an. Für die jungen Leute ist das Schleusenbedienen eine sportliche Herausforderung. Ein höchstens zwei Wochen Boot fahren ist genug für Jugendliche finden auch die beiden aus Paris, als wir uns abends gemütlich auf ihrem Boot zu einem Glas Wein treffen. Unsere Tochter hatte uns zu diesem Zeitpunkt wieder verlassen.

ChatenauneufAm nächsten Tag fällt der Blick durch die Bäume immer wieder auf das hoch oben gelegene Chateauneuf. Ein ganz auf Tourismus eingestelltes Dorf mit einem wunderschönen Blick auf den Kanal und die zugehörigen Stauseen. Ohne diese würde das technische Wunderwerk des vergangenen Jahrhunderts nicht funktionieren.

Dreimal kreuz die A 6 den Kanal, man sollte seinen Schlafplatz abgelegen wählen. Hier kann eine zusätzliche Autokarte sehr hilfreich sein. Durch riesige Wälder geht es abwärts nach Dijon. Der Charterbootsverkehr nimmt mehr und mehr zu. Ende der zwölften Woche sind wir in Dijon, in dessen Hafen, man ausgezeichnet liegt, nicht weit entfernt von der Innenstadt. Dijon ist seit langer Zeit wieder einmal eine große Stadt, die wir besichtigen. Wir sind von der Eleganz und der Schönheit dieser Stadt beeindruckt.


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