Neunte Woche

Am ersten Tag laufen wir Cercy la tour an. Dessen Charme läßt sich leider nur noch mit viel Fantasie erahnen. Zu verkommen ist die kleine Innenstadt, selbst für unsere Vorliebe für die leicht morbide Art kleiner französischer Städte. Pannecot unser nächster Übernachtungsort hat hervorragende Einrichtungen für Bootsfahrer.Chatillon Nach Pannecot beginnt der Kanal sich gemeinsam mit dem Aron, Chatillon en Bazois entgegen zu winden. Hier erwarten wir Besuch von unseren Freunden und nutzen die Zeit, für eine Schloßbesichtigung. Eben wiegte ich mich noch im Glauben, inzwischen ganz gut Französisch zu beherrschen, so werde ich bei der Schloßführung eines Besseren belehrt. Ich habe Schwierigkeiten dem Führer zu folgen. Die Verständigung mit dem Schloßbesitzer-Ehepaar, welches wir zufällig in der Küche antreffen, funktioniert zu meiner Beruhigung wieder besser. Heute ist der 14.Juli, in Frankreich wird gefeiert, die Schleusen bleiben, ebenso wie alle Geschäfte, geschlossen. Wir machen eine Radtour zum Etang de Baye, einem der Speicherseen des Canals du Nivernais. Direkt am Kanal treffen wir auf ein, von einem Schweizer geführten, kleines Restaurant. Er ist uns so sympathisch, daß wir für den Abend, für unsere Freunde und uns einen Tisch reservieren lassen. Wir haben es nicht bereut.

Gegen Nachmittag treffen unser Freunde ein. Viel gibt es zu erzählen, sind wir doch schon zwei Monate unterwegs. Am nächsten Morgen um sechs Uhr, es war wohl doch ein Glas französischer Rotwein zuviel am Abend zuvor, drängt es mich zum WC. Das ist ein nicht wieder gut zu machender Fehler. Der Sohn unserer Freunde ruft guten Morgen, weckt seine beiden Schwestern, reißt die Vorhänge auf und packt sein Bettzeug zusammen. An weiter- schlafen ist nicht mehr zu denken.Klaus Das Frühstück dauert den Kindern viel zu lange, zu groß sind die Erwartungen. Mein Freund und ich bringen den Wagen nach Baye und fahren mit den Fahrrädern zurück und los geht's. Alle dürfen einmal das Ruder übernehmen. Im Zickzack geht es Richtung Baye. Ich stehe neben dem jeweiligen Rudergänger, immer bereit einzugreifen sollten die Schlinger-bewegungen einmal zuviel werden. Nach Zwischenstop mit Kaffee erreichen wir, nach anstrengender aber lustiger Fahrt, Baye. Dort baden und surfen wir auf dem Etang de Baye. Ein durch und durch gelungener Tag.

SeenAm nächsten Morgen das selbe Spiel mit Auto und Fahrrad wie am Tag zuvor. Unsere Freunde wollen zwar heute weiterfahren, aber ich kann sie überreden die Tunneldurchfahrt noch mit zu machen. Die Kinder sind sofort dabei. Was nun folgt ist wohl eine der romantischsten Strecken, die wir in der ganzen Zeit gefahren sind. Nach dem Durchfahren einer alten Steinbrücke schneidet sich der Kanal immer tiefer in den Berg. Die Steinwände rechts und links sind dicht bewachsen und lassen die Fahrrinne noch schmäler erscheinen, als sie schon ist. Nach dem ersten längeren Tunnel fährt man durch Dschungel, senkrecht über uns erkennen wir den blauen Himmel. Das Wasser ist glasklar, wir sehen bis auf den Felsengrund. Zwischen den beiden kurzen Tunnel macht der Kanal eine leichte Linkskurve, man sieht nicht was auf einen zu kommt. Dann die freie Sicht in den dritten Tunnel, eine dünne Nebelschicht hat sich auf die Wasseroberfläche gelegt, ein märchenhafter Anblick. Als sich die Fahrrinne wieder weitet und wir ins obere Becken der folgenden Schleusentreppe einfahren, sind wir noch ganz benommen.Surfbrett

Unsere Freunde haben uns wieder verlassen. Wir machen uns auf den Weg. Die anschließende Schleusentreppe folgt einem bewaldeten Tal in weiten Bögen, zwischen den Schleusen weitet sich der Kanal immer wieder zu kleinen Seen. Ein idealer Ort zum Rasten oder Übernachten.

Ehe der Kanal auf die Yonne stößt, durchfährt man eine Schleuse die mitten in einem Steinbruch liegt. Hier sollte man alle Öffnungen, die ein Boot besitzt, dicht schließen. Wir erkennen die Gefahr zu spät, so bekommt unser Schiff die schon lange überfällige Grundreinigung innen und außen und wir anschließend ein Bad im Kanal.

Ende der Woche liegen wir in der malerischen Einfahrt nach Clamecy und bedauern ein wenig, daß wir uns nicht mehr Zeit für die zurückliegende Strecke genommen haben.


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