Sechste Woche

Bei Pont á Bar müssen wir wieder einmal spontan entscheiden welchen Weg wir einschlagen.Pont-a-Bar Die grobe Richtung unserer Fahrt lag von Anfang an fest, doch die einzelnen Kanäle die wir fahren wollten hatten wir nicht festgelegt. Wir entscheiden uns für den Canal des Ardennes. Nachdem wir noch einmal getankt haben, man sagte uns die Versorgung mit Sprit in Frankreich direkt am Wasser ist schwierig, geht die Fahrt weiter durch unseren ersten Tunnel nach Chesne. Ein kleiner unscheinbarer Ort mit den notwendigen Versorgungsmöglichkeiten für das tägliche Leben. Wir liegen ruhig und beschaulich in einer Ausbuchtung des Kanals gegenüber der Kirche.

Am nächsten Tag geht die Fahrt bergab durch die Schleusenkette des Tals von Montgon. Diese wird in ihrer landschaftlichen Schönheit nur noch von der Schleusenkette im Canal Nivernais übertroffen. Leider will der uns begleitende Schleusenwärter einen persönlichen Geschwindigkeitsrekord aufstellen, und wir sind immer noch zu unerfahren und lassen uns drängen. Ein entgegenkommender Frachter ermöglicht uns schließlich, die Landschaft zu genießen. Abends in Rethel erholen wir uns von der Eile des Tages in einem ausgezeichneten Nichtraucherrestaurant.Berry-au-Bac-Kathedrale Der Umstand, daß wir als starke Raucher auf die geliebten Glimmstengel verzichten müssen, wird durch ein hervorragendes Essen mehr als wett gemacht.

Über Berry au Bac, ein Knotenpunkt und Sammelhafen für unzählige Frachter erreichen wir Reims. Die Kathedrale, die Altstadt, das quirlige Leben machen die Stadt sicher sehenswert. Der Umstand, daß der Hafen direkt an der Autobahn liegt, zwingt uns die Stadt am nächsten Morgen schnell zu verlassen.

Nach problemloser Durchfahrt des 2302 Meter langen Tunnels von Mont-de-Billy, er ist hell beleuchtet, erreichen wir Chalon sur Marne. Hier liegt man herrlich neben den Resten der alten Stadtmauer. In Reims haben wir schon ein englisches Kanalboot gesehen, lang und schmal, ich habe mich immer gefragt wie es wohl den Kanal überquert hat. Hier begegnen wir einem weiteren Langzeit-Reisenden, der alle Unbequemlichkeit eines zu kleinen Bootes in Kauf nahm. Lange noch haben wir überlegt, ob wir nicht zuviel Geld für unser Boot ausgegeben haben? Wir kommen zum Schluß, daß es doch sehr bequem ist, in einem Boot alle wichtigen Dinge zu haben und nicht jeden Abend Tische und Bänke zu einer Liege umbauen zu müssen.

Seit der Durchfahrt durch den letzten Tunnel, läßt mich der Gedanke nicht mehr los, was ist wenn im Tunnel das Licht ausfällt oder gar keine Beleuchtung vorhanden ist? Auf unserem Stadtbummel halte ich immer Ausschau nach einem geeigneten Scheinwerfer.Tunneleinfahrt Viola sieht in meinem Handeln hauptsächlich die Befriedigung meines Bastlerdranges. Nachdem ich sämtliche Filter ausgetauscht, alles geölt, gefettet und geschmiert habe, die elektrische Anlage fast vollkommen neu verdrahtet ist, glaubt sie es wäre nun genug am Boot geschraubt. Ich gebe zu die Sicherheit des Schiffes war zum Teil nur ein Vorwand meine noch immer vorhandene Rastlosigkeit zu verdecken. Acht Jahre ohne Urlaub sind nicht einfach so schnell wegzuwischen. In Vitry le Francois finde ich endlich den lang gesuchten Scheinwerfer, sonntags im Supermarkt, eben typisch französisch. Meine Hartnäckigkeit in dieser Sache sollte sich noch als richtig erweisen.


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