Siebte Woche

Dies soll die letzte Woche sein in der wir uns stressen lassen. Danach finden wir endlich zur Ausgeglichenheit und der nötigen Gleichgültigkeit, um unseren lang ersehnten Urlaub wirklich zu genießen. Doch zuvor machen wir noch einmal alles falsch, was man in einem auf der Entdeckung der Langsamkeit ausgerichteten Urlaub falsch machen kann.

Die Fahrt durch den Canal de la Marne á Saône beginnt gleich mit der Begegnung der wohl unfreundlichsten Crew, die wir auf unserer ganzen Fahrt treffen.Schleuse Keine Antwort auf unsere Begrüßung, an Bord eine Friedhofsstimmung, die vierköpfige Besatzung, es könnte sich um eine Familie handeln, mit weit möglichstem Abstand auf der Yacht verteilt, in der ersten Schleuse sich vordrängend, dies läßt uns schon völlig kalt, in der Schleuse ständig mit der Bugschraube operierend, Sinn und Zweck dieser Übung haben wir bis heute nicht verstanden, quälen wir uns von Schleuse zu Schleuse. Auch hält es niemand der vier Besatzungsmitglieder für notwendig, den Schleusenwärterinnen zu helfen.

Am zweiten Tag laufen wir auf einen belgischen Frachter auf, der sich mühevoll, mit etwa der halben Geschwindigkeit von uns durch den Kanal quält. Warum wir nicht spätestens jetzt einen Tag Pause einlegen, verstehe ich bis heute nicht. Ständig müssen wir den Kühlwasserfilter reinigen, der mit dem vom Frachter aufgewühlten Schlick verstopft ist. Am nächsten Tag gelingt uns das Unglaubliche, der Frachter läßt uns passieren. Kurz darauf laufen wir auf einen holländischen Frachter auf. Wir sind am Ende. Der Holländer jedoch hat ein Einsehen und läßt uns gleich beim ersten längeren Kanalstück zwischen zwei Schleusen vorbei.

So gehetzt kommen wir schließlich vor dem hell beleuchteten Luxustunnel, so die Beschreibung im Kanalführer, von Balesmes an. Wir haben den Holländer schon Stunden hinter uns und somit einen beruhigenden Vorsprung. Weit vor dem Tunneleingang, die Zufahrt ist ebenfalls nur in einer Richtung zu befahren, müssen wir einen entgegenkommenden Frachter abwarten. Ich nutze die Zeit zu einer Dusche, im Freien! Es gießt in Strömen. Nach zwei Stunden werden wir unruhig, wir haben mit einer Stunde Wartezeit gerechnet. Nach drei Stunden wird selbst die ebenfalls wartende Schleusenwärterin unruhig. Sie fährt mit ihrem Moped zum Tunneleingang. Zurück erklärt sie uns kopfschüttelnd, daß der Steuermann des Frachters nach der Durchfahrt dermaßen entnervt war, daß er sofort nach der Ausfahrt angelegt hat.

Wir sind nicht gerade bester Stimmung als wir endlich weiter dürfen. Steuerbord, kurz vor der Tunneleinfahrt im Einbahnbereich, ohne jede Chance zur Umkehr, ein Schild Tunnel von Balesmes nicht beleuchtet. 4820 Meter geht es durch ein völlig schwarzes Loch. Nasse ruß- geschwärzte Felswände verschlucken fast vollständig das Licht unseres neuen Scheinwerfers. Meine Nerven sind bis zum äußersten angespannt. Viola versucht den Lichtkegel so einzustellen, daß der Übergang vom Wasser zur Felswand sichtbar wird. Es stinkt fürchterlich nach den Abgasen des Frachters. Lange Zeit ist weder Anfang noch Ende des Tunnels zu sehen, bis nach ewiger Zeit, voraus ein winziger heller Punkt erscheint, der langsam größer wird.

In Pontailler sur Saône angekommen, besinnen wir uns darauf, daß wir in Frankreich im Urlaub sind. Ab hier fangen wir endlich an unsere Fahrt wirklich zu genießen. Lag es an unserer Unerfahrenheit mit dem Boot oder an dem jahrelang gewohnten Stress oder am bis dahin doch oft schlechten Wetter. Wir haben uns immer wieder gefragt, warum wir so lange Zeit benötigten um wirklich die Ruhe und Gelassenheit zu finden, die man braucht, um einen solchen Urlaub zu genießen.


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