Zweite Woche

Durch die Randmeere entlang Flevoland führt unser Weg in alte und neue Hafenstädte. Elburg zum Beispiel, auf dem Reißbrett entstanden und trotzdem ein altes Städtchen mit Charme und Charakter. Almere ganz neu auf dem noch jungen Flevoland entstanden, Kühl und für uns ohne besonderen Reiz. Nach Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln, verbringen wir die Abende und Nächte meistens auf einer der kleinen Inseln im Meer.Elburg Wir beobachten Myriaden von Fliegen die wie Rauchfahnen über den Baumgipfeln stehen. Die große Entfernung zu uns, läßt keine Sorge oder gar Aggressionen aufkommen.

Auf eine dieser Inseln lerne ich auch unser Boot näher kennen. Schon zu Beginn der Reise war mir aufgefallen, daß sich das Ruder nicht gleich leicht in beide Richtungen drehen ließ. Bei einer ersten Kontrolle stellte ich fest, daß ein Zahnrad im Lenkgetriebe gebrochen war. In einer Werft in Harderwijk bestellten wir einen neuen Steermaster, den wir schon nach einem Tag bekommen. Ein Vorteil für Bootsfahrer in Holland. Das Rudergetriebe ist schnell demontiert, der Ruderzug hingegen verschwindet im Motorenraum, dort wiederentdeckt umrundet er unsichtbar den dreihundert Litertank um kurz darauf hinter einem Holzkasten völlig unzugänglich zu verschwinden. Viola erschrickt zunächst als ich ihr, aus dem Motorenraum auftauchend erkläre, daß ich jetzt die Achterkajüte ausräumen und die Doppelkoje zerlegen muß. Sie sieht aber sofort ein,Motorraum daß die Sicherheit des Schiffes vorgeht. Ich ärgere mich noch nachträglich, trotz viel vergossenen Schweißes, verrenkter Gliedmaßen und Kreuzschmerzen, daß ich diesen Fehler nicht schon früher behoben habe. Abgesehen von den Gefahren in die wir uns und andere hätten bringen können, das Boot läßt sich anschließend leicht und präzise steuern.

Auf unserer Fahrt durch die Randmeere muß ich auch erkennen, daß der Unterricht in der Sportbootschule durchaus wichtig und sinnvoll war. Bei der Annäherung an zwei dicht nebeneinander liegenden Baggerschiffen gerate ich total ins Schleudern. Die Beflaggung der Schiffe verbietet die linke und rechte Vorbeifahrt. Wir müssen durch die Enge zwischen den beiden Kolossen. Der Beflaggung misstrauend fahre ich vorsichtig zwischen die beiden Riesen. Erst aus der Nähe erkenne ich die armdicken Trosse, die rechts und links zum Ufer gespannt, erst dicht bei den Baggerschiffen aus dem Wasser auftauchen.

Übers Markermeer laufen wir bei Muiden in die Vecht ein, sicher einer der schönsten Wasserwege Hollands. Vor der Schleuse bei Mijnden in die Loosdrecht Plassen drängen sich, es ist Pfingstsamstag, zum ersten Mal die Boote. Wir haben Zeit, wir sind im Urlaub. Schon bei der zweiten Schleusung sind wir dabei. Das Personal dirigiert gelassen doch unerbittlich Schiff um Schiff in die bananenförmige Schleusenkammer. In den Plassen verläuft sich der Trubel sehr schnell. An der Leeseite einer Insel verbringen wir zwei herrliche Tage mit Lesen und Nichtstun.


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