3 1/2 Monate

Vorgeschichte

Acht Jahre lag unser letzter Urlaub zurück. Damals verbrachten Viola und ich, vier unbeschwerte Wochen in Portugal und Spanien. Eine Woche Bootscharter auf dem Rhein - Marne - Kanal war der Auslöser unserer Wünsche und Träume. Mit dem eigenen Boot kreuz und quer durch Frankreich.

Die Verwirklichung

Nach dem Hauskauf und der Sanierung lag vor uns, ein nicht überschaubarer Berg von Schulden. Genau in diesem Moment hatten wir das ersehnte Glück. Die Hausaufteilung war genehmigt worden. Freunde erwarben den mittleren Stock unseres Hauses. Wir hatten das Geld zur Verwirklichung unseres Traumes.

Die Suche

Von der Arbeit ausgelaugt suchten wir, gegen unser Naturell, ein Boot das fahrbereit und in gutem Zustand war.Dies sollte sich als schwieriger erweisen als wir dachten. Beschreibungen von einhundert Booten haben wir gesichtet.Mindestens vierzig Boote haben wir an Ort und Stelle begutachtet. Die Konkurs machte ihrem Namen alle Ehre. Nicht jedes Boot verriet seinen Zustand so ehrlich. Einzelkojen sind Geschmacksache und häufiger als wir dachten, für uns kamen sie nicht in Frage. Ein kleiner süßer Motorsegler, in den wir uns sofort verliebten, ging bei Betreten so in Lage, daß wir beinahe, typisch Landratten, unfreiwillig von Bord gingen. Ein Boot lag etwas abseits unserer Suchroute, in einer Werft in Holland. Beinahe hätten wir unser Boot verpaßt. Noch ein paar aufregende Tage und die de Vries Lensch gehörte uns.

Das Boot

Anfang Mai 1993 wird unsere Motoryacht in Marknesse Holland zu Wasser gelassen. Wir reisen an mit einem VW-Bus voll notwendigster Dinge,FiFi-NoNoNoum unser Schiff in Besitz zu nehmen. Mit einer Länge von zehn Metern und einer Breite von drei Meter und vierzig hat es die richtige Größe, alles aufzunehmen, was man für eine dreimonatige Weltreise durch Frankreich benötigt. Die Achterkajüte mit einer Doppelkoje, für uns zum schlafen, und einer Einzelkoje, als Kleiderschrank, reicht gerade so für unsere Klamotten. Der Steuerstand ist belegt mit Karten und allen wichtigen navigatorischen Hilfsmitteln. Einen Sextanden haben wir nicht dabei. Im Bug sind die Nasszelle, die Kombüse, der zur Doppelkoje umbaubare Tisch und noch zwei weitere Kojen untergebracht. Im Maschinenraum unter dem Steuerstand entdecke ich den 50 PS Peugeot-Diesel mit 1330 Betriebsstunden, wir wagen es nicht ihn zu starten, ein Hurt-Getriebe und noch ein paar Kleinigkeiten die ich während unseres Urlaubs noch kennen lernen sollte. Um es vorweg zu nehmen, das Boot ließ uns während unserer ganzen Reise nie wirklich im Stich. Nach Stunden ist der VW-Bus leer und in unserem neuen Domizil herrscht keine Unordnung. Das Fassungsvermögen einer solchen Yacht ist unglaublich. Schweren Herzens verlassen wir unser Schiff für eine weitere Woche.

Erster Tag

Früh morgens am 17. Mai 1993 starten wir mit Marion, Heinz-Dieter, Freunde von uns. Sie werden unser Auto zurück nach Esslingen bringen. Da wir bei unserer ersten Fahrt nach Marknesse die wichtigsten Dinge vergessen hatten ist der Blick nach hinten nur noch über die Außenspiegel möglich. Am frühen Nachmittag liegt unser Boot startklar am Anlegesteg. Wir überführen den Bus nach Blokzijl, von wo aus unsere Freunde ihre Heimreise antreten wollen. Ein freundlicher Holländer bringt uns zurück zu unserem Ausgangspunkt. Klaglos läßt sich der Diesel starten. Etwas laut und rau scheint er zu laufen.Mit etwas mehr Drehzahl und nach einer gewissen Zeit nehmen wir ihn nicht mehr war. Vor unserem ersten Ziel Blockzijl liegt noch das Ablegemanöver im Hafen der Werft. Wir wollen unsMarion-Heinz-Dieter keine Blöße geben, die Blicke der Arbeiter beim Verlassen des Werfthafens, überhaupt schauen alle Anwesenden ausschließlich auf uns. Vor Aufregung und Freude zitternd legen wir ab. Keine Leine ins Wasser fallen lassen! Warum hat die Bugschraube einen extra Schalter der immer auf aus steht, wenn man sie braucht. Steht das Ruder ganz nach Steuerbord? Rückwärts dreht das Boot gegen den Ruderausschlag in die falsche Richtung, ich weiß ja warum, nur in dieser Art ist es eben neu für mich. Der Fahrhebel macht am Anfang auch nicht was ich will. Hollands Kanäle hatten bis zu diesem Zeitpunkt nicht die Form von Schlangenlinien, nur das Boot scheint das nicht zu wissen. Steuerbord taucht ein kleines Wäldchen mit einer sehr schönen Anlegestelle auf. Der Verzweiflung nahe stellen wir fest, an der hundert Meter langen Anlegestelle liegen schon zwei Yachten. Wir überwinden uns, ich denke an Worte aus der Bootsschule wie ruhig und langsam, das Anlegemanöver klappt wirklich schon ganz gut und die anderen Yachteigner sind freundlich und hilfsbereit.

Blopzijl Wir atmen tief durch und bemerken zum erstenmal, daß wir an einem herrlichen Plätzchen liegen, daß die Sonne scheint und daß es uns so gut geht wie schon lange nicht mehr. Am Abend laufen wir in Blokzijl ein. Diese ehemalige Deichstadt hat viel Charme. So sitzen wir noch lange,nach dem wir Pfannkuchen verschiedenster Art bestellt haben, und genießen das Hafenpanorama.


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